PT.I: Power Mac G5 – Webdesign und Webentwicklung?

05.11.2012

In Zeiten von MacBooks mit Retina Display, noch dünneren iMacs, MacPros; die seitens Apple kaum noch Interesse finden wie es scheint; und Preisen, welche nicht jedem Geldbeutel den Einstieg in das Apple-Universum einfach machen, stellt sich die Frage, ob nicht auch ein gebrauchter Mac für kleines Geld den Einstieg ermöglicht und ebenso die gegenwärtige alltägliche Arbeit in Sachen Webdesign und Webentwicklung ermöglicht?

Dies wollte ich anhand eines gebrauchten PowerMac G5 herausfinden. Ursprünglich gedacht als CaseMod für den Windows-Rechner, konnte ich mich doch nicht überwinden den PowerMac einfach so zu "zersägen". Die Fakten der Ausgangslage:

Konfiguration
ModellPower Mac G5 11,2 (Late 2005)
CPUDual 2GHz PowerPC G5
RAM4.5GB DDR2
GPUNVIDIA GeForce 6600 LE 128MB
HDD160GB/7200rpm/SATA
Preiszwischen €130,- bis €300,-

Was ist noch hardwareseitig möglich?

Aufrüstmöglichkeiten bestehen noch in Bezug auf Grafikkarte, RAM sowie Festplatte. Der G5er verfügt über zwei Festplattenschächte für 3,5" Platten, Platzbedarf sollte also gestillt werden können.

In Sachen Festplatten herrscht keine Knappheit in der Verfügbarkeit. In Punkto RAM lassen sich bis zu 16GB auf die acht verfügbaren Slots verteilen, das ist selbst derzeit nur bei den höheren Apple Modellen möglich und mit Pech sogar auf der Platine verbaut. Ob 16GB nötig sind muss jeder für sich entscheiden und ist sicher vom Anwendungsfall abhängig. Über einige Online-Shops lässt sich der RAM für die Power Macs noch beziehen, ob "normaler" DDR2 RAM im PowerMac läuft oder eher Probleme macht, kann ich bis dato nicht beurteilen. Für die "Macspezifischen" RAM-Riegel bewegt man sich preislich bei ca. €60,- pro 4GB. Ebenso wie RAM lassen sich in einigen Online-Shops und Ebay noch einige Grafikkarten ergattern.

Eine genaue Auflistung der technischen Spezifikationen finden sich auf everymac.com.

Und die Software?

In Bezug auf die Software sind die größten Einschnitte hinzunehmen. Wer noch ein Modell mit Originalsoftware erwischt, den erwartet OSX 10.4.2 (Tiger), maximal möglich ist OSX 10.5.8 (Leopard). Mit Mountain Lion hat Apple Universal-Binary Apps vom Mac verbannt. Hieraus ergibt sich die größte Recherchearbeit, denn ein Großteil der aktuellen Software ist eben bereits darauf umgestellt, viele Installer finden sich nur noch in teils versteckten Download-Archiven. Auch wichtig: Gekaufte Software aus dem AppStore wird auf dem Power Mac keine neue Heimat finden, denn den AppStore gibt es unter 10.5.8 nicht.

Verzicht auf iCloud & Bootcamp

Auch der Nachfolger von mobileMe, Apples iCloud sucht man auf 10.5.8 vergebens. Zwar scheint ein Sync des Kalenders über Umwege zu funktionieren, spätestens bei den Kontakten scheint man aufgeschmissen. Alternativen? Alternativ würde sich ein "Zwischensync" von der iCloud über Google anbieten um dann das Google Konto unter 10.5.8 laufen zu lassen. Andere zuverlässigere Alternativen scheint es nicht zu geben und wird es – so ehrlich muss man sein – wohl auch nicht mehr. Ähnlich sieht es mit der Virtualisierung von Windows aus, Bootcamp fehlt ebenso wie iCloud. Auf Grund der PPC-Architektur ist eine native Windows Installation nicht möglich. Performante Alternativen zur Virtualisierung sind meiner Kenntnis nach nicht vorhanden.

Und was geht?

Auch wenn die vorrangegangenen Erläuterungen wenig Hoffnung machen, so war ich dennoch mehr als positiv überrascht, was dennoch möglich ist. Und damit folgt nun der interessante Teil.

Webdesign

Nun folgt ein genauerer Blick auf die Software, welche man so im alltäglichen Umgang benötigt um Grafiken zu erstellen und ggfs. auch HTML-Mockups erstellen zu können.

Bei der Creative Suite 4 hört's auf

In Sachen Grafiktools führt wohl oder übel kein Weg an der Adobe Creative Suite (CS) vorbei. Besitzer einer CS4 dürfen sich freuen, denn dies ist die letzte Version, welche PowerPC noch unterstützt und keine Intel CPU voraussetzt. Die CS4 läuft wiedererwartend performant und vor allem sehr stabil auf dem Power Mac mit 10.5.8 im Vergleich zu meinem MacBook mit Mountain Lion – hier sind regelmäßige Abstürze und Macken an der Tagesordnung. Auch die CS5 läuft auf 10.8 meiner Ansicht nach äußerst miserabel in Anbetracht des Preises.

Tools für HTML & Co

Abgesehen von den gewaltigen IDES à la Netbeans, PHPStorm etc., auf welche ich im zweiten Teil eingehen werde, gibt es auch für die "einfachen" HTML/CSS/JS-Arbeiten noch einige brauchbare Tools. TextWrangler läuft bis Version 3.5.3 auf PowerPCs und kann noch bezogen werden. Ebenso lässt sich Coda bis Version 1.7.5 noch auf PPC installieren und kann nach ein wenig Suchen im Panic-Museum gefunden werden.

Browser

Um getane Arbeit zu prüfen, benötigen wir einen Browser. Welche Browser stehen dabei noch zur Verfügung?

HTML5 nur im TenFourFox

Für 10.5.8 steht noch eine Fülle an Browsern zur Verfügung, die jedoch teils nicht mehr weiterentwickelt werden. Darunter auch Apple hauseigener Browser Safari. Endstation ist Version 5.0.6, wer höher hinaus möchte, benötitgt einen Intel-Mac. Darüber hinaus gibt es noch Camino, Firefox (bis Version 3.6), TenFourFox und einige mehr, wobei der TenFourFox der einzige mit HTML5-Unterstützung zu sein scheint, dies wiederrum auf Grund der derzeitigen Unterstützung aktueller Browser im Zweifel zu vernachlässigen ist. Eine detailierte Beschreibung zu möglichen Browsern findet sich auf dem Blog von Andreas Reitmaier sowie auf der Seite Mac PowerPC und zu guter Letzt noch ein paar Benchmarks auf Greg's Tech Blog.

Sonstige Software

Auch Skype ist bis Version 2.8.0.659 noch lauffähig, ebenso Adium bis Version 1.4.5. Generell ist es empfehlenswert, die Update-Funktionen der Programme und Apps abzuschalten. So vermeidet man im Zweifel die Installation einer nicht mehr unterstützten Version.

Fazit

Über eins sollte man sich im Klaren sein: Der Power Mac G5 11,2 hat mittlerweile bald acht Jahre auf der Uhr. Gemessen an seinem Alter verrichtet er für grafische Arbeiten, ob Print oder Webdesign, noch durchaus gute Dienste, hier gefällt mir vor allem die Stabilität der CS4 (!). Mit einer SSD lassen sich im Zweifel noch einige Ladezeiten verkürzen und ein gefühlter Geschwindigkeitsschub erreichen. Als Rechenknecht oder auch Azubi-Platz ein günstiger Einstieg. Wer jedoch seine ganze iWelt im Einklang haben möchte – iPhone, iPad etc. inklusive – dem empfiehlt sich ein Modell, auf welchem sich Mountain Lion noch installieren lässt, da sonst der Synchronisation von Kontakten, Kalender und auch der Verwaltung von iTunes starke Grenzen gesetzt sind. In meinem zweiten Teil werde ich tiefer auf die Webentwicklung eingehen – Webserver einrichten, MySQL zum laufen bekommen, Git installieren und auf die Frage eingehen, welche IDEs noch lauffähig sind. Ihr habt noch nützliche Tools oder Tips? Dann her damit.

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